Arbeitsschutz auf der eigenen Baustelle: Private Bauherren in der Verantwortung

Aktuell ereignen sich in Deutschland rund 860.000 Arbeitsunfälle jährlich - noch 2003 waren es allerdings mehr als 1 Million. Die insgesamt leicht sinkende Tendenz ist zweifelsohne auch auf die strengen gesetzlichen Vorgaben zurückzuführen: Das Arbeitsschutzgesetz bildet die wichtigste Grundlage für den Arbeitsschutz innerhalb des Unternehmens. Jeder Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, eine sogenannte Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Dabei muss bei jedem Arbeitsplatz überprüft werden, welche Risiken prinzipiell vorhanden sind; daraus abgeleitet werden entsprechende Maßnahmen zur Unfallvermeidung. Auf einer Baustelle fällt eine solche Gefährdungsbeurteilung naturgemäß schwierig, weil im Unterschied zum festdefinierten Arbeitsplatz in der Industrie oder auch im Büro diverse Gefahren drohen und ein aufwändiges Konzept zur Gefahrenvermeidung gar nicht umgesetzt werden kann. Verantwortungsvolle Bauherrn sorgen sich allerdings nicht nur um die Arbeitssicherheit, um die entsprechenden Gesetze einzuhalten - das Anliegen der Mitarbeiter und Helfer sollte im Vordergrund stehen. Welche Maßnahmen sind auf der Baustelle sinnvoll?


Arbeitssicherheit oder Arbeitsschutz?


Zunächst ist eine kurze Definition von Begriffen angebracht, die im alltäglichen Sprachgebrauch fälschlicherweise oft synonym verwendet werden. Unter Arbeitsschutz versteht der Gesetzgeber den Schutz des Beschäftigten vor Gefahren, die mit dem ausgeübten Beruf einhergehen. In erster Linie sind damit schädliche Überlastungen gemeint, beispielsweise dem Heben schwerer Lasten. Arbeitssicherheit meint hingegen einen Zustand der angestrebt werden sollte, bei dem mögliche Gefahren schon bei der Entstehung eliminiert werden. Der Hauptunterschied liegt also im Blickwinkel: Grundsätzlich sollte das Gefahrenpotenzial minimiert werden, beispielsweise indem auf den Einsatz gefährlicher Chemikalien nach Möglichkeit verzichtet wird - womit die Arbeitssicherheit hergestellt wird. Ist eine solche Gefahrenvermeidung nicht möglich, weil in diesem Beispiel bestimmte lösemittelhaltige Farben unbedingt verwendet werden müssen, greift der Arbeitsschutz. Hierunter fällt unter anderem die persönliche Schutzausrüstung wie Schutzbrille, Handschuhe oder Atemschutzmasken.


Helfer-Versicherung möglicherweise sinnvoll

Wer für Sicherheit auf der eigenen Baustelle sorgen möchte, sollte sich diese Prioritätensetzung zu Herzen nehmen. Denn abgesehen von der Vielfalt der Risiken muss noch bedacht werden, dass nicht selten auch private Helfer im Einsatz sind, denen die fachliche Ausbildung ebenso fehlt wie das Gefahrenbewusstsein. Fachleute raten dazu, den Einsatz privater Helfer bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) zu melden. Dort lassen sich auch Beratungen in Anspruch nehmen, die dem Bauherrn Hilfestellung beim Einhalten der gesetzlichen Pflichten leisten. Um das Risiko privater Arbeitsunfälle zu minimieren, kann eine Helfer-Versicherung abgeschlossen werden - die Kosten liegen bei weniger als zwei Euro für jede geleistete Arbeitsstunde. Auch wenn es zu Arbeitsunfällen von professionellen Handwerksbetrieben kommt, werden häufig Gerichte eingeschaltet, wenn es um die Klärung der Schuldfrage geht. Zwar entscheiden die Richter hier regelmäßig zu Gunsten der Bauherren, eine solche Auseinandersetzung sollte allerdings dennoch vermieden werden. Zudem sei an dieser Stelle noch einmal der Aspekt der Verantwortung erwähnt: Selbstverständlich ist es für alle Beteiligten anzustreben, dass die Entstehung solcher Arbeitsunfälle grundsätzlich verhindert wird.


Gehörschutz häufig notwendig

Auf der eigenen Baustelle ist es vor allem der Arbeitsschutz, der für den Bauherrn von Interesse ist. Bei der Konstruktion möglichst sicherer Geräte wie Presslufthämmer oder Schlagbohrmaschinen sind die Hersteller in der Pflicht. Problematisch ist bei diesen Gerätschaften oft die hohe Lärmentwicklung: Häufig wird ein Schalldruck von mehr als 100 dB erreicht, die Berufsgenossenschaften schreiben bereits ab 85 dB einen Gehörschutz vor. Jedes der Gerätschaften, von dem ein hoher Lärmpegel ausgeht, sollte entsprechend gekennzeichnet sein. Zudem muss der einwandfreie Zustand von Werkzeugen und Hilfsmitteln überprüft werden: Oft sind es schlicht defekte Leitern, die schwere Stürze verursachen. Genauso wichtig ist auch eine verantwortungsvolle Arbeitsweise: Viele Unfälle geschehen aufgrund der Arglosigkeit der der Handwerker. Eine Bierkiste ist keinesfalls trittsicher, und eine Schutzbrille muss auch getragen werden. So liegt ein Teil der Verantwortung des Bauherrn auch darin, das Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung einzufordern und zu überprüfen - damit wird ein entscheidender Beitrag zum Arbeitsschutz auf der eigenen Baustelle geleistet.