Wertpapiere unbedingt als Eigenmittel verkaufen?

Am Anfang einer Baufinanzierung steht die Frage „Wie viel Immobilie kann ich mir leisten?“ Die Antwort auf diese Frage gibt letztendlich Aufschluss darüber, welches Objekt infrage kommt und wie hoch die künftige monatliche Zahlung ausfallen wird. Wie viel Immobilie sich ein Erwerber leisten kann, basiert nicht nur auf dem monatlichen Nettoeinkommen, sondern zum Teil auch auf den vorhandenen Eigenmitteln. Eine gute Baufinanzierung berücksichtigt, dass der Käufer über Eigenmittel verfügt, die mindestens 20 Prozent des Kaufpreises abdecken, zuzüglich der anfallenden Erwerbsnebenkosten. In der Summe kommen hier schon leicht über 30 Prozent des Kaufpreises zusammen.

Die Eigenkapitalermittlung

Der erste Blick nach den Eigenmitteln gilt natürlich dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto. Verwandte- oder Arbeitgeberdarlehen sind der nächste Schritt, die Eigenkapitalquote zu erhöhen. Und natürlich darf das Wertpapierdepot nicht vergessen werden. Dabei stellt sich jedoch die nächste Frage. Ist es sinnvoll, Wertpapiere zu verkaufen, deren laufende Ausschüttung die Höhe der Zinsen für die Baufinanzierung übersteigt? Die Anleihen der jüngeren Emissionen fallen hier nicht darunter, von diesen kann man sich getrost trennen. Aber manch ein Langläufer mag noch im Depot liegen, der aus Zeiten höherer Renditen stammt. Die sinnvollere Alternative wäre es in diesem Fall, die Papiere als Sicherheit an die Bank abzutreten und weiterhin von den höheren Zinsen zu profitieren. Das Institut wird bei der Beleihung zwar einen Abschlag machen, bei festverzinslichen Anleihen in der Regel 20 Prozent vom Kurswert, aber mit den verbliebenen 80 Prozent lässt sich immer noch gute Liquidität beschaffen. Aktien werden in der Regel mit einem Satz von 60 Prozent des Kurswertes beliehen. Dabei spielt allerdings auch das Unternehmen selbst eine Rolle. Deutsche Energieversorger sind hier ein wenig unter Druck geraten. Die Diskussion um die Kernenergie spielt dabei ebenso eine Rolle, wie die Genehmigung des in der Öffentlichkeit stark umstrittenen Frackings, wie in dieser News zu lesen ist.

Einzelfallentscheidung

Es zeigt sich, dass es eine absolute Einzelfallentscheidung darstellt, ob Wertpapiere verkauft werden, um die Eigenmittel aufzustocken, oder ob ein etwas höherer Kredit unter Berücksichtigung der Ausschüttungen aus Wertpapieren doch die günstigere Variante darstellt. Am Ende ist es ein Rechenexempel, aber auch von der Bank abhängig, ob diese auf einer bestimmten Eigenkapitalquote besteht. Nach wie vor gilt zudem, je höher das Eigenkapital ausfällt, um so niedriger wird der Zinssatz angesetzt, der für das Darlehen zu entrichten ist. Auch diese Überlegung sollte in die Berechnung mit einfließen. Die gängigen Stufen für die Zinshöhe liegen bei Darlehen unter 60 Prozent des Beleihungswertes, zwischen 60 und 80 Prozent und über 80 Prozent des Beleihungswertes.