Mein Weblog

Vorwort:

Ort: Budenheim am Rhein
Objekt: zweigeschossiges EFH mit Keller mit 146 qm Wohnfläche, Satteldach mit 25° Dachneigung und ca. 2.60 m Kniestock
Bauweise: Massiv (17.5 cm Kalksandstein plus 20 cm Dämmung)
Haustechnik: Wärmepumpe (Geothermie mit aktiver Kühlung), zentrale KWL mit Wärmerückgewinnung, elektr. Rolläden mit Somfy-Funksteuerung
Geplanter Baubeginn: 01.09.2015
Tatsächlicher Baubeginn: 21.10.2015
Einzug: 13.08.2016 (Zu diesem Zeitpunkt fehlten im Wesentlichen noch drei Innentüren, die Fertigstellung des Treppengeländers sowie die Außenanlagen, also Einfahrten, Eingangstreppe, Terrasse, Mülltonneneinhausung und Fertigstellung des Außenanstrichs)
Fertigstellung: Im Oktober 2016 waren die baulichen Elemente (Außenanlagen und Anstrich) im Wesentlichen fertig, die Rest- und Nacharbeiten wurden bis Oktober 2017 (14 Monate nach Einzug!) abgeschlossen
Endabnahme: 21.04.2017
Schlussrechnung: 06.04.2017 (1.5 Jahre nach Einzug!)
Hauspläne: siehe hier
Fotos: siehe hier

Hallo liebe Leser!

Ihr findet hier kein Bautagebuch, wo haarklein beschrieben wird, was uns in unserem individuellen Bauherrenleben täglich bewegt hat. Vielmehr haben wir versucht, aus all unseren Erfahrungen die Dinge herauszufiltern, bei denen wir in unserer Laienmeinung denken, dass sie für andere Bauherren interessant sein könnten. Wir waren zumindest in der Planungsphase dankbar, wenn wir in Bauherrentagebüchern und Bauforen nützliche Informationen und Erfahrungswerte anderer Bauherren finden konnten. 

Kontakt: jx7@gmx.de

Aktueller Status:
Der Hausbau ist abgeschlossen.

Fazit mit Gemünden Bau als Generalunternehmer:

Die Beauftragung von Gemünden war keine schlechte Entscheidung. Der wichtigste Punkt ist, dass wir bei Gemünden nie Sorge hatten, in eine Baukatastrophe zu laufen, wie man sie leider immer wieder von anderen Bauherren hört wie z.B. undichten Kellern, Insolvenzen, Rechtsstreitigkeiten nach Bauabschluss, etc. Der zweitwichtigste Punkt ist, dass Gemünden so gut wie alle aufgetretenen Mängel anerkannt hat und dafür gesorgt hat, dass die Mängel behoben wurden (selbst wenn die Mängelbehebung sich am Ende doch ein wenig hingezogen hat.). Es gibt viele Punkte, in denen sich Gemünden Bau sehr gut präsentiert hat. Qualitativ sind wir mit Gemünden in den meisten Punkten sehr zufrieden. Nicht zufrieden waren wir mit der Planung und Ausführung der Lüftungsanlage, speziell mt der Geräuschentwicklung. Hier waren einige Nachbesserungen nötig, inzwischen passt es einigermaßen. Unmöglich finden wir, dass unser Bauleiter die meiste Zeit nicht erreichbar war und man nur alle paar Wochen etwas von ihm hörte. Auch dass sich die Nacharbeiten sich bis 14 Monate nach Einzug ziehen und wir die Schlussrechnung erst 20 Monate nach Einzug erhalten haben, empfanden wir als nervig. 

Hier unsere Plus- und Minuspunkte mit Gemünden:

+ meist vorbildliche Bauqualität
Die Bauqualität erscheint vorbildlich, unser Baugutachter hat nicht viel zu meckern gehabt, immer wieder lobte er Materialqualität und Arbeitsweise. Alle Baufehler wurden anstandlos behoben (fehlender Sturz, falsche Fenster, Dachüberstand zu gering, eine Innenwand zu dünn für die geplanten Installationen, Eingangsüberdachung zu breit ausgeführt, Schimmel in der Dachkonstruktion vom Schuppen). Gemünden scheint seine Subunternehmer "gut im Griff" zu haben. Beanstandungen wurden stets ernst genommen und Nachbesserungen veranlasst. Die beteiligten Handwerker, mit denen wir Kontakt hatten, waren alle sehr freundlich und engagiert und hinterließen überwiegend einen sehr guten Eindruck. 
Als Kritikpunkte sind die folgenden zu nennen:

+ Große Kostensicherheit
Es kam zu keinem Zeitpunkt des Baus zu unerwarteten Zusatzkosten. Wenn es unvorhergesehene Probleme in der Umsetzung der Planung gab, wurde das Problem für uns als Bauherren kostenneutral gelöst. Gesucht wurde immer nach sinnvollen Lösungen, nicht ausschließlich nach der kostengünstigsten Variante. 

+ Geschäftsführung gesprächsbereit
Vorbildlich war das Verhalten der Geschäftsleitung in den kritischen Bausituationen beim Umgang mit den aufgetretenen Problemen. Der Vorstand von Gemünden sehr gesprächsbereit und sehr kooperativ. Es wurde sich sehr bemüht, am Ende doch noch alles bestmöglich zu regeln. Nach dem kurzfristig abgesagten Hausübergabtermin wurde mit Hochdruck daran gearbeitet, dass zumindest eine Woche später alles halbwegs fertig war.

+ Renommierte Firma
Gemünden Bau ist eine große, renommierte Firma, die Gefahr einer Insolvenz ist als äußerst gering einzuschätzen.

+ Umsetzung der Kundenwünsche
Der Bauleiter denkt mit und bringt seine Ideen (Positionierung Strangentlüftung, Abdeckung Wäscheschacht, Form Terrasse, Fallrohr Eingangsüberdachung, Öffnungsrichtung Schuppentür) ein. In den meisten Bereichen ging er auf unsere Wünsche ein. Manche Wünsche versuchte er einem anfangs eher auszureden (Wäscheschacht, abgemauerte Dusche statt Glaswand), in manchen Bereichen musste man hinterher sein, um seine Wünsche umsetzen zu können (Haustür, Schiebetüren, Treppengeländer, Planung der Lüftungsleitungen inklusive der sich daraus ergebenden Abkofferungen).

- Schleppende Bemusterung
Die Bemusterung (siehe hier oder hier) ist oft umständlich und schleppend. Auf das Sanitär-Angebot mussten wir z.B. zehn Wochen warten, elf Wochen auf ein Angebot für die Begradigung des Gartens (Auf die Abrechnung der Gartenbegradigung warten wir seit 10 Monaten.). Auch die Bemusterung des Treppengeländers verlief unbefriedigend. Man begann viel zu spät mit der Planung und die Bemusterung verlief zu wenig zielstrebig (kein vernünftiges Beratungsgespräch) und zu schleppend. Manche Dinge wie z.B. Parkett waren sehr teuer aufzubemustern. Fingerprint (inkl. elektr. Motorschloss) für die Haustür sollte 1700 € Aufpreis kosten - wir haben es dann anderswo für 700 € bekommen. Immerhin muss man Gemünden zugute halten, dass es möglich ist, einzelne Posten wie Wohnzimmerparkett oder Haustür wieder aus dem Vertrag rauszunehmen, wenn man das Gefühl hat, selbst woanders bessere Angebote zu bekommen. Im Falle der Haustür konnten wir so ca. 2800 € sparen.

- Mäßiges Bautempo
Das Bautempo war in vielen Phasen recht niedrig. Der Einzug war 11.5 Monate nach geplantem Baubeginn. (Zu diesem Zeitpunkt fehlten im Wesentlichen noch drei Innentüren, die Fertigstellung des Treppengeländers sowie die Außenanlagen, also Einfahrten, Eingangstreppe, Terrasse, Mülltonneneinhausung und Fertigstellung des Außenanstrichs). Nach 14 Monaten waren die baulichen Elemente (Außenanlagen und Außenanstrich) im Wesentlichen fertig, die Rest- und Nacharbeiten wurden ca. 2 Jahre nach geplantem Baubeginn abgschlossen. In Aussicht gestellt wurden uns 9-10 Monate, was durchaus realistisch sein kann, wie man an unseren Nachbarbaustellen der Bauberatung Kress sieht. Dort wurde ein Haus mit Keller in 7 Monaten fertig.

Von geplantem Baubeginn bis zum Richtfest vergingen bei uns vier Monate. (Kress-Baustellen: 2 Monate). Weitere vier Monate vergingen vom Richtfest bis zur Fertigstellung der Elektrik (dazwischen wurden Dachdecken, Fenstermontage, Innenputz und Trockenbauwände erledigt). Im Bauablaufplan, den wir ausgehändigt bekommen haben, waren für diese Arbeiten zwei Monate vorgesehen. In der Sorge, dass sich auch die weiteren Arbeiten vom Zeitrahmen her verdoppeln würden, hatten wir dann ein Gespräch mit der Geschäftsleitung von Gemünden. Bis zur Fertigstellung wurde uns daraufhin ein stark erhöhtes Arbeitstempo versprochen; in der ersten Augustwoche sollte alles fertig sein). Siehe hier. Am Ende war es so, dass in der zweiten Augustwoche das Wesentliche fertig war. Die Außenanlagen und die fehlenden Details sollten nachgeliefert werden.

- Verdrießliche Kommunikation mit Bauleiter
Mit der Kommunikation mit dem Bauleiter (Innenausbau) sind wir äußerst unzufrieden. Telefonisch ist er gar nicht erreichbar, persönliche Treffen finden nur ca. ein Mal im Monat statt. Die Kommunikation verläuft hauptsächlich über E-Mail, was die Planung oft umständlich und langwierig macht. Oftmals werden E-Mails gar nicht beantwortet oder in den Anwort-E-Mails nur manche unserer Fragen beantwortet. Es gab es einige nervenraubende Situationen, in denen wir uns sehr geärgert haben (siehe hier oder hier oder hier). Oft erhält man wochenlang keine Nachricht über die Baustelle, zwei Mal wurde ein Termin noch am gleichen Tag abgesagt. Von seinen Urlauben erfahren wir erst, wenn er schon in Urlaub ist (zwei Mal vorgekommen). Selbst Komplikationen bezüglich des Termins für Fertigstellung und Übergabe wurden nicht kommuniziert. Uns wundert es, dass sich Gemünden eine so mangelhafte Baubetreuung erlauben kann. Ähnliche Erfahrungen bezüglich der Überlastung des Bauleiters und der schwierigen Kommunikation mussten wir auch von anderen Gemünden-Bauherren hören.

- Schleppendes Tempo bei Restarbeiten und bei der Mängelbeseitigung
Es dauerte nach dem Einzug noch mehr als ein Jahr, bis alle Rest- und Nacharbeiten abgeschlossen waren. Allerdings muss man auch positiv erwähnen, dass so gut wie alle Mängel anerkannt und behoben wurden!

Wäre natürlich interessant zu wissen, wie es gelaufen wäre, wenn wir uns für unsere "Nummer 2" entschieden hätten: "Fertighaus Keitel".

Zufriedenheit mit den weiteren beteiligten Firmen:

Architekturbüro Schuster (Ingelheim): Sehr gute Zusammenarbeit, auch in kritischen Momenten (Ablehnung des Bauantrags)

Bodengutachten Rubel & Partner (Wörrstadt): Mangelnde Kommunikation bei Problemen! Bodengutachten wurde erst mit einem Monat (!) Verspätung ausgeführt!

Statiker Ingenieurbüro Feller + Brendel GmbH (Weinsheim): Der Statiker ist nicht schuld an der verzögerten Fertigstellung der Statik! Das Bodengutachten kam wohl nicht bei ihm an! (Diese Info hätte er aber auch mal an uns weitergeben können, bevor er zwei Wochen in Urlaub ging.)

Walter Badusche (Kleinwinternheim, Bauherrenschutzbund, Baubegleitende Qualitätskontrolle): Einen Baugutachter als kompetenten Beistand zu haben, ist für uns als Bauherren eine super Sache. Herr Badusche ist ein alter Hase. Seit 2009 stünde ihm aus gesetzlicher Sicht eigentlich der Ruhestand zu, aber er arbeitet weiter akribisch als Baugutachter und schreibt für uns regelmäßig präzise Berichte über den Bauzustand und steht uns jederzeit beratend zur Seite. Die Entscheidung, einen Baugutachter ins Boot zu holen, der auf Augenhöhe mit der Baufirma sprechen kann, war aus unserer Sicht jedenfalls goldrichtig, und wir würden diese Vorgehensweise auch jedem Bauherren empfehlen.

Fensterbau Kutzschbach (Mainz): Die Firma hat uns ein super Angebot für eine tolle Haustür gemacht. Es lief alles reibungslos.

Schlosserei Martin (Mainz): Die Firma hat das Treppengeländer für unsere Hauseingangstreppe geliefert und montiert. Es lief alles reibungslos und wir sind sehr zufrieden.

Parkett Kreativ (Mainz): Die Firma hat unser Wohnzimmerparkett (Hochkantlamelle Esche) verlegt, abgeschliffen und geölt. Die Firma war zuverlässig und hat gute Arbeit abgeliefert. Allerdings waren nach dem Parkettverlegen einige schwarze Striche an der Wand, die wir überstreichen mussten. Außerdem hat die Firma einfach den Müll (3 Säcke voll mit Abschliff, leere Klebstoffeimer) auf der Baustelle stehen lassen. Eine Sockelleiste sitzt nicht ganz richtig. Eine Antwort auf die per Mail durchgegebene Rückmeldung dieser Kritikpunkte kam nicht.

Energieberatung Frau Merkelbach (Münster-Sarmsheim): Frau Merkelbach arbeitet öfter für Gemünden und übernahm für uns die Betreuung bezüglich des KfW-70-Nachweises. Die Zusammenarbeit war sehr angenehm.

Frank Schranksysteme: Die Optik ist sehr gut, aber der mühselige und langwierige Aufbau der Ankleide hat uns die nervendsten Stunden unseres Hausprojekts überhaupt beschert (siehe hier).

Rosi Galabau (Budenheim): Die abgelieferte Arbeit war qualitativ nicht so akkurat, wie es hätte sein können. Die Natursteinmauer wurde ohne Fundament, Schotterschicht, Beton, etc. errichtet und ist teilweise recht wacklig. Die aufgetragene Muttererde und dadurch der Rollrasen sind nicht sehr eben. Ein Spielturm wurde etwa schief aufgebaut. Allerdings war der Preis auch günstig. 

Markisen Schmid (Heidesheim)  Wir wurden sehr gut beraten, der Preis war fair und die Markise wurde einwandfrei montiert. Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht und können die Firma sehr empfehlen. 

Solar-Zentrum Rheingau (Eltville) Die Beratung und das Angebot war sehr gut. Es gab allerdings 7 Wochen Verzögerung bei der Inbetriebnahme, weil sich das Solar-Zentrum Rheingau und die Gemeindewerke Budenheim nicht auf ein Messkonzept (Steuerung und Zählung von Stromentnahme bzw. Stromeinspeisung für Haushaltsstrom und Wärmepumpenstrom) einigen konnten.

Für die Zufriedenheit mit den Subunternehmern von Gemünden siehe hier.

Letzte 5 Blogeinträge:

Freitag, 6 April, 2018 - 00:00

Leider haben wir am gepflasterten Bereich vor dem Schuppen bei starkem Regen eine unschöne Pfützenbildung, weil hier eine Abflussrinne vergessen wurde. Das Wasser läuft zwar nicht an der Oberfläche in den Schupen rein, aber offensichtlich steigt es im Boden unter dem Schuppen wieder nach oben, zumindest hatten wir schon die ersten verschimmelten Dinge im Schuppen. Das Ganze trat erst nach ein paar Monaten auf. Anfangs sind die Fugen zwischen den Pflastersteinen noch durchlässig. Sobald die Fugen einmal voll mit Staub und verstopft waren, trat das Problem auf.

Update: Inzwischen wurde das Problem angegangen und wir haben eine Versickerungsrinne  installiert bekommen. Leider ist die neu installierte Versickerungsrinne nicht am tiefsten Punkt der Pflasterfläche. Bzw. die Pflasterfläche hat kein Gefälle zur Versickerungsrinne hin. Das heißt die Pfützen sind nach wie vor vorhanden, vieleicht jetzt etwas kleiner als bisher. So ganz zufrieden sind wir daher nicht.

Ds Ganze wurde jetzt nochmal nachgebessert.

Eingestellt von jx7
Dienstag, 27 Februar, 2018 - 00:00

Beim Betrieb eines Batteriespeichers teilt sich der gewonnene Strom (z.B. 8.300 kWh pro Jahr) in drei Gruppen auf:

  1. Eigenverbrauch im Moment der Produktion
  2. Eigenverbrauch nach Speicherung im Akku
  3. Verkauf gegen Einspeisevergütung

Finanzielle Vorteile bringt der Speicher nur bei Gruppe 2. Laut Eigenverbrauch-Rechner der HTW Berlin beträgt der Anteil von Gruppe 2 in unserer Modellrechnung je nach Speichergröße bei 16-24 %. Bei Strompreissteigerung von 3 % pro Jahr liegt der durchschnittliche Strompreis in den nächsten 15 Jahren bei 33,9 Cent/kWh, man hat also gegenüber der Einspeisevergütung von 12,2 Cent/kWh eine Ersparnis von 18 Cent/kWh. Das ergibt eine jährliche Einsparung von 24 % * 8.300 kWh * 18 Cent/kWh = 359 €. Rechnet man noch ein, dass beim Zwischenspeichern des Stroms zwei Mal (Beladen und Entladen) Verluste entstehen, die sich auf ca. 20 % summieren, sind es sogar nur ca. 300 €/Jahr. Die Ersparnisse über 15 Jahre sind dann ~4.500 €.  Das ist deutlich weniger, als ein Speicher heute (2018) kostet (7.000-10.000 € inkl. Montage). Sollten die Strompreise stark ansteigen oder die Akkupreise stark gesunken sein, muss neu kalkuliert werden. Das kann bereits in 4-5 Jahren der Fall sein.

Eingestellt von jx7
Montag, 26 Februar, 2018 - 00:00

Rechnet man alles für die Dauer der garantierten Einspeisevergütung (20 Jahre) genau durch, kommt heraus, dass das Ganze sich durchaus lohnt (auch bei Ost-West-Ausrichtung). Meine Rechnungen ergaben bei 13.300 € Investitionskosten für eine 10-kWp-Anlage ca. 9 % Rendite, d.h. die Anlage ist nach ca. 11 Jahren abbezahlt. Eine möglichst realistische Musterrechnung findet sich unten.

Wenn man Wirtschaftlichkeitsrechnungen betrachtet, sollte man darauf achten, dass bei folgenden Punkte vernünftige Werte angenommen werden:

  • Strompreisentwicklung (z.B. 2.7 %, so war es zumindest durchschnittlich in den Jahren 1998-2018. 4.5 % halte ich für unwahrscheinlich, zumal wir in den letzen fünf Jahren eher konstante Strompreise hatten)
  • Stromerzeugung bzw. Spezifischer Ertrag (Hier kann man nachfragen, ob die verwendeten Zahlen aus praktischen Erfahrungswerten bereits verbauter Anlagen beruhen oder ob die Zahlen einer theoretischen Schätzformel folgen. Zumindest sollte man skeptisch werden, wenn der eine Anbieter in seinem Angebot hier andere Zahlen verwendet als die anderen Anbieter)
  • Anteil Eigenverbrauch (bei 10 kWp ca. 20 % ohne Batteriespeicher, ca. 40 % mit Batteriespeicher, bei 5 kWp ohne Batteriespeicher ca. 30 %) (Quelle: Volker Quaschning/HTW Berlin)
  • Weiterhin sollten folgende Punkte in der Wirtschaftlichkeitsrechnung nicht fehlen:
    • Degradation: Die Module büßen über die 20 Jahre an Leistungsfähigkeit ein. Garantiert werden in der Regel 80 % der Leistung nach 20 Jahren.
    • Kosten für Versicherung (ca. 70 € pro Jahr)
    • Kosten für Wartung und Reparatur (in 20 Jahren: neuer Wechselrichter für 1.800 € + 200 € Sonstiges)
    • abgeführte Umsatzsteuer auf den eigenverbrauchten Strom (ca. 5 Cent pro kWh) in den ersten fünf Jahren (vor dem Wechsel in die Kleinunternehmerregelung)

Musterrechnung:

  • Investitionskosten: 13.300 € Netto (aus einer Tabelle aus einem Solaranlagen-Portal im WWW entnommen, die aus einer Statistischen Erhebung hervorgehen)
  • Ertrag: 8.300 kWh (pvgis-Datenbank / Degradation, d.h. der Rückgang der Leistung über die 20 Jahre ist bereits eingerechnet / Ost-West-Ausrichtung, bei Südausrichtung wären es 20 % mehr / Simulationsprogramme von PV-anbietern rechnen in unserem Fall sogar 8750-9200 kWh aus, allerdings nur im ersten Jahr, d.h. die Degradation ist nicht eingerechnet)
  • Einspeisevergütung: 12,2 Cent/kWh
  • Eigenverbrauch: 22 %  (Quelle: "Optimale Dimensionierung von PV-Speichersystemen" von Volker Quaschning HTW Berlin, Anpassung wegen Ost-West-Ausrichtung)
  • Versicherung pro Jahr: 70 €
  • Wartungs- und Reparaturkosten pro Jahr: 100 € (neuer Wechselrichter für 1.800 € + 200 € Sonstiges)
  • Die ersten fünf Jahre werden noch nicht als Kleinunternehmer gerechnet, damit die Investitionskosten ohne Mwst. gerechnet werden können. Dafür fällt in den ersten 5 Jahren Umsatzsteuer für den Eigenverbrauch an: 5 Cent/kWh
  • Berechnung der Stromkosten für Eigenverbrauch wie folgt:
    aktuell 24 Cent, wegen Strompreissteigerung um 2,7 % pro Jahr wird für die nächsten 20 Jahre ein Durchschnittswert von 31,3 Cent angenommen.

Ergebnisse Alternativrechnungen:

  • ohne Eigenverbrauch: 6,3 % Rendite
  • ohne Strompreissteigerung: 7,8 % Rendite
  • Südausrichtung (18 % Eigenverbrauch, 5 % Leistungsverlust durch harte 70-%-Regelung): 9,7 %
  • Steuerersparnis durch Investitionsabzugsbetrag und Sonder-AFA (2400 €) eingerechnet: 9,7 %

Wer an der Excel-Tabelle für diese Musterrechnung interessiert ist, kann sich gerne melden.

Eingestellt von jx7
Samstag, 24 Februar, 2018 - 00:00

Folgende Angebote haben wir eingeholt:

  • Sam Energie Hessen Wiesbaden: Angebot kam erst nach 25 Tagen, günstigster Preis, aber Angebot und Wirtschaftlichkeitsrechnung ungenau, hat uns nicht überzeugt
    1210 €/kWp
    Vitavolt (34x280Wp) / Wagner / Viessmann???
  • Solar Zentrum Rheingau Eltville: zweitgünstigster Preis, Empfehlung seitens eines PV-Gutachters
    1375 €/kWp
    Heckert Black (33x300 Wp) /  Novotegra / SMA STP 8000TL-20
  • Gedea Ingelheim: Firma ist Kunde von yourrate.de, die (positive) Bewertungen vermitteln
    1409 €/kWp
    Astronergy Black (33x300Wp) / Novotegra / SMA STP 9000TL-20
  • Solarcenter Wilhelm Bretzenheim:
    1432 €/kWp
    IBC (33*295 Wp) / Blechdachziegel + Montagegestell (?) / SMA STP 8000TL-20
  • Mithra Solar Mainz: 20 Jahre Produktgarantie auf Module!
    1449 €/kWp
    Solarfabrik Black (33x300Wp) / IBC Topfix /Kostal Piko 8.5
  • Sonnenkönig Nieder-Olm: Empfehlung durch einen Großkunden, hat guten Eindruck hinterlassen
    1475 €/kWp
    Canadian Solar Black (34*290Wp) / Novotegra / SMA STP 8000TL-20
  • Ökotherm Solartechnik Wiesbaden: Empfehlung durch einen Großkunden, hat trotz mehrfachen Mails und Telefonaten kein Angebot abgegeben
  • Dachland Mainz: keine Angebot erhalten

Folgende Unterschiede fanden wir in den Angeboten:

  • Full Black: Besonders schick sind "Full-Black"-Anlagen, bei denen Module, Rahmen und Befestigungen schwarz sind.
  • Module: Die angebotenen Module waren sehr ähnlich, was Leistung und Garantiebedingungen angeht. Feinheiten in der Leistung können mit dem Online-Rechner "Sunny Design Web" ermittelt werden.
  • Montage: Es gibt Systeme zum Klippen oder zum Einlegen (hochwertiger & schicker). Es gibt Systeme mit Dachhaken oder mit Solar-Blechdachziegeln (teurer, angeblich besser für Gewährleistung)
  • Wechselrichter: Marktführer scheint SMA, auch beliebt: Fronius
  • Die Wirtschaftlichkeitsrechnungen waren alle Banane: Eigenverbrauchsanteil 43 %, Umsatzsteuer für Eigenverbrauch vergessen, keine Wartungs- oder Reparaturkosten eingerechnet, Strompreissteigerung von 5 % oder ähnliche Annahmen führten zu Renditen bis zu 13.16 %.

Wir haben uns aufgrund einer Empfehlung eines PV-Gutachters und des günstigen Angebots für das Solar-Zentrum Rheingau entschieden. Es gab dann leider 7 Wochen Verzögerung bei der Inbetriebnahme wegen unnötigem Hin und Her beim Messkonzept (Steuerung und Zählung von Stromentnahme bzw. Stromeinspeisung für Haushaltsstrom und Wärmepumpenstrom).

Eingestellt von jx7
Freitag, 23 Februar, 2018 - 00:00

Ost-West-Dach auch geeignet

Ein Ost-West-Dach hat tatsächlich 20 % weniger nutzbare Einstrahlung. Die 20 % weniger nutzbare Einstrahlung entstehen mittags, wenn meist geringer Eigenverbrauch herrscht. Morgens und abends ist die Ost-West-Ausrichtung gleichgut, sodass die für den Eigenverbrauch morgens und abends zur Verfügung stehende Strommenge gleich ist. Wegen des ähnlich hohen Eigenverbrauch bei geringem Gesamtertrag steigt der Eigenverbrauchs-Anteil bei einer 10 kWp-Anlage von ca. 18 % (Süd) auf ca. 22 % (Ost-West).

Einspeisemanagement und ggf. Umgehung der Pflicht dazu

Um der Gefahr der Netzüberlastung zu sonnigen Mittagsstunden entgegenzuwirken, werdem dem Anlagenbetreiber Maßnahmen auferlegt. Er kann zwischen drei Varianten wählen:

  • Teilnahme am Einspeisemanagement
    Das Stromunternehmen kann per Funk die Anlage runterfahren teilgenommen wird. Die Mehrkosten (größerer Wechselrichter 300 €, Rundsteuerempfänger 400-800 € zzgl. Zubehör & Montage) liegen aber meist höher als die Ertragsseinbußen (<800 €).
  • harte 70-%-Regelung
    Die Leistung der Anlage wird auf 70% der Nennleistung begrenzt (z.B 7 kW bei einer 10-kWp-Anlage).
  • weiche 70-%-Regelung
    Die Leistung der Anlage abzüglich des Eigenverbrauchs wird auf 70% der Nennleistung begrenzt. Dazu ist ein Verbrauchsmanager erforderlich, z.B. für einen SMA-Wechselrichter der Sunny Home Manager (wurde uns für 590 € angeboten) oder für einen Fronius-Wechselrichter ein S0-Zähler (ca. 60 €)
  • Für eine Ost-West-Anlage ist die harte 70-%-Regelung kein Problem, weil nicht beide Dachflächen gleichzeitig ihre Leistungsmaximum erreichen und man nie in die Abregelung kommt. Eine Süd-Anlage dagegen hat über das Jahr 3-4 % Verlust durch die harte 70-%-Regelung, sodass man über die weichen 70 % oder das Einspeisemangement nachdenken sollte.

Steuefreie Gewinne möglich

In der Regel bleiben PV-Anlagen-Besitzer unter der Grenze von 410 € pro Jahr Nebeneinkünften durch selbständige Arbeit und fallen somit unter die Härtefallausgleichsregelung, sodass die Gewinne steuerfrei bleiben. Wenn bereits andere Einkünfte aus selbständiger Arbeit bestehen, muss das, was man mit der Anlage verdient (Ertrag minus Abschreibungsbetrag), ggf. mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden (bis zu ca. 50 €/Jahr Steuerbelastung). Ggf. ist es sogar möglich, durch Investitionsabzugsbetrag und Sonder-Abschreibung im Jahr vor der Anschaffung und im Jahr der Anschaffung Verluste zu erzeugen, die einem bis zu 2500 € Steuererleichterung bringen, ohne das man in den Folgejahren über die 410-€-Grenze rutscht.

Eigenverbrauch erhöht die Rentabilität

Eigenverbrauch bringt mehr Ersparnis: Statt die kWh für 12 Cent zu verkaufen, wird sie selbst verwendet und erspart einem in der Stromrechnung eine für aktuell 24 Cent gekaufte kWh (in 20 Jahren vielleicht sogar eine für 40 Cent gekaufte-kWh?), das Ganze lohnt sich also doppelt. Leider ist die Rechnung nicht ganz so einfach. Für die Eigenentnahme muss zumindest in den ersten fünf Jahren 5 Cent Umsatzsteuer abgezogen werden. Wenn Eigenverbrauch mit einkalkuliert wird, wird die Rechnung insgesamt wesentlich komplizierter und hängt stark von der Entwicklung des Strompreises ab.

Batteriespeicher lohnen sich nicht 

Auch Anlagen mit Batteriespeicher können sich langfristig lohnen, allerdings verschlechtern Batteriespeicher die Wirtschaftlichkeit und verlängeren die Zeit bis zur Amortisation. Denn in 15 Jahren lässt sich ein Speicher nicht amortisieren (Stand Frühjahr 2018, Rechnung siehe unten). Ob sich langfristig ein Batteriespeicher lohnt, hängt stark von der Strompreisentwicklung ab. Es erscheint eine sinnvolle Strategie, die Entwicklung der Preise für Strom (steigend) und für Batteriespeicher (fallend) zu beobachten und ggf. später auf Batteriespeicher umzurüsten, evtl. wenn der Wechselrichter nach 10-15 Jahren kaputt geht (denn eine Speicheranlage benötigt ggf. einen anderen Wechselrichter.)

Stromabrechnung bei Kombination mit Wärmepumpe

Die Stromabrechnung kann auf mehrere Arten (Messkonzepte) geschehen.

  • Man betreibt die Wärmepumpe über Haushaltsstrom und hat dadurch die Möglichkeit, den von der PV-Anlage erzeugten Strom sowohl für Wärmepumpen als auch für den Haushaltsstrom zu verwenden. Da die Wärmepumpentarife nicht mehr so attraktiv sind, ist das oft eine gute Lösung. In unserem Fall ergaben sich pro Jahr nur 35 € Mehrkosten, dadurch dass der Wärmepumpentarif nicht mehr genutzt wurde. Man braucht statt zwei Stromzählern dann nur einen, was einem jährlich ggf. mehr Geld (Miete & Grundgebühr) einspart als man Strommehrkosten durch den Verzicht auf den Wärmepumpentarif hat.
  • Man entscheidet sich, ob man den von der PV-Anlage erzeugten Strom nur für den Wärmepumpenstrom oder nur für den Haushaltsstrom verwendet. Beim teuren Haushaltsstrom ist die Ersparnis pro kWh größer, die Wärmepumpe verbraucht durchgehender Strom. Man muss den entsprechenden Stromzähler ersetzen durch einen neuen Zähler, der Entnahme und Einspeisung messen kann, hat insgesamt zwei Stromzähler.
  • Es gibt auch die Möglichkeit, durch geschickte Reihenschaltung der beiden Stromzählern und der Wärmepumpe den Wärmepumpentarif beizubehalten und den PV-Strom trotzdem für Wärmepumpe und Haushalt zu nutzen. Nicht bei allen Energieversorgern geht das. Bei uns ging es nicht und hätte sich auch nicht gelohnt.
  • Wenn der Energieversorger dies nicht anbietet, kann alternativ auch ein sogenanntes Schütz eingesetzt werden, dass die Wärmepumpe in den Zeiten, wenn genügend Stromüberschuss da ist, auf den Haushaltsstromkreis umschaltet.

Ideale Größe einer PV-Anlage oft 10 kWp

Die Obergrenze für eine PV-Anlage sind in den meisten Fällen 10 kWp Spitzenleistung, da darüber EEG-Umlage bezahlt werden muss. Da eine 10-kWp-Anlage nicht doppelt so teuer ist wie eine 5-kWp-Anlage, erscheint es wirtschaftlich sinnvoll, an die 10-kWp-Grenze zu gehen, wenn die Dachfläche das her gibt. Auf der anderen Seite hat man bei einer kleinen Anlage (z.B. 5 kWp) einen höheren Anteil an Eigenverbrauch, was die Effektivität erhöht. Meine Berechnungen ergaben, dass sich die beiden genannten Effekte ungefähr ausgleichen und sich kleine und große PV-Anlagen gleichermaßen lohnen (ca. gleiche Rendite, nötige Investitionssumme und zu erwartender Gewinn bei der großen Anlage natürlich höher).

Kleinunternehmeregelung

Steuerlich ist es am günstigsten, wenn man erst nach fünf Jahren in die Kleinunternehmeregelung wechselt. Dann muss beim Kauf der Anlage keine Umsatzsteuer bezahlt werden. Allerding muss dann in den ersten fünf Jahren ca. 5 Cent Umsatzsteuer auf den durch Eigenverbrauch selbst entnommenen Strom bezahlt werden.

Links

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    Jochen Marwede/Energieagentur Rheinland-Pfalz)
  • Eigenverbrauchsanteil Rechner Volker Quaschning HTW Berlin
  • solar radiation pvgis europe (PV-Leistung-Rechner, Seite auch auf Deutsch verfügbar)
  • Sunny Design Web (Online-PV-Simulation)
Eingestellt von jx7